Zu den Ordenträgern

Die Geschichte der 

Klaa Pariser Fastnacht

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Warum Klaa Paris? Heddernheim gehörte in früherer Zeit zu Mainz und ähnlich wie den Mainzern, lag den Heddernheimern der die Fassenacht im Blut. Das Dorf war zwar arm, aber fröhlich. Anders war es in der Großstadt Frankfurt. Hier hatte man andere Probleme: Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Frankfurt zum Zentrum eine von Napoleon geschaffenen Herzogtums. Im Jahre 1866 schließlich schluckten die Preußen die Freie Stadt Frankfurt. Man kann sich vorstellen: diese wechselhafte Geschichte war immer auch mit Besatzung und militärischer Strenge verbunden. Es gab "Vermummungsverbote" und "Versammlungsverbote". Frohsinn war nicht unbedingt gefragt, närrische Scherze mit der Obrigkeit schon gar nicht. Die Heddernheimer ließen sich aber so schnell das Lachen nicht verbieten. Geholfen hat ihnen dabei sicher auch, daß sie nur ein kleines, unbedeutendes Dorf weit vor der Toren Frankfurts waren. Was taten also die Frankfurter, die mal richtig feiern wollten? Sie machten sich auf nach Heddernheim. Hier war das Auge des militärischen Gesetzes weit entfernt. Und schon bald ging die Parole: "Wenn ihr mal richtig feiern wollt, dann geht nach Heddernheim. Hier ist die Luft freier, die Leute leichtherziger, fröhlicher, hier ist es wie in Paris." Der Kosename war geboren: Heddernheim - das ist Klaa Paris! (Quellen: H.P. Müller: Pressenotizen; Wolfgang Pülm: Heddernheim - die wechselvolle Geschichte eines Frankfurter Stadtteils) Und die Frankfurter scheinen bis heute so zu fühlen: Jeden Fastnachtsdienstag strömen sie in hellen Scharen nach Klaa Paris zur Straßenfastnacht und zum Klaa Pariser Fastnachtszug.
Der Fastnachtszug:

Bereits ein Jahr nach dem ersten Mainzer närrischen Umzug hatten die Heddernheimer ihre Fastnachtszug-Premiere. Die Initiatoren waren zwei Handwerksburschen. Sie kamen von der damals üblichen Wanderschaft in ihr Heimatdorf zurück. Hier waren alle in freudiger Stimmung, denn die erste Gemeindepumpe sollte eingeweiht werden. Das musste entsprechend gefeiert werden. Die Heddernheimer feierten zweimal im Jahr: an Kerb und an Fastnacht. Die Kerb war vorbei, so bot sich die Fastnacht an. Die Handwerksburschen hatten in Mainz den närrischen Umzug miterlebt. Nun machten sie ihren Mitbürgern den Vorschlag, ein nach gebautes Brunnenmodell in einem Festzug - aber einem närrischen - durch die Dorfstraßen zu fahren. Begleitet werden sollte dieser Umzug von maskierten Narren und fröhlicher Musik. Begeistert wurde der Vorschlag von den Dörflern aufgenommen. Am Fastnachtsdienstag 1839 zog der närrische Zug durch Heddernheim. An den Straßenecken standen Festredner, um den närrischen Magistrat und die Fassenacht zu loben. Das närrische Publikum jubelte und die ganze Sache geriet zu einem Volksfest. Der Fassenachtszug und die Straßenfastnacht waren geboren. Noch heute wird - der Tradition gemäß - ein Modell dieser Gemeindepumpe, im Dialekt liebevoll "Gemaa-Bumb" genannt, im Fastnachtszug mitgeführt. (Quelle: H.P.Müller; Klaa Paris - Narrenparadies)

Die Figur des Statthalters: 1868 wurde in Heddernheim erstmalig ein "Narrenkaiser" gekrönt, der sein närrisches Volk bis 1872 regierte. 1902 wurde erneut ein Narrenkaiser gewählt. bis zum 1. Weltkrieg lebten die Heddernheimer Narren glücklich mit ihrem Narrenkaiser. Davor und auch danach gab es Fastnachtsprinzen Die Tradition der Fastnachtsprinzen wurde fortgesetzt bis nach dem 2. Weltkrieg, obwohl eine Bürgerversammlung am 12.11.1949 mit überwältigender Mehrheit die Gründung der "Närrisch-Freien Reichsstadt Klaa Paris" als Narrenrepublik beschloss. Als dann aber die Fastnachtsvereine der Stadt Frankfurt beschlossen, dass die ganze Stadt zukünftig von nur einem gemeinsamen Prinzenpaar repräsentiert und regiert werden sollte, fügten sich auch die Narren von Heddernheim. Es wären aber keine echten "Klaa Pariser" gewesen, wenn ihnen nicht zum Punkt "närrische Unabhängigkeit etwas pfiffiges eingefallen wäre. Man besann sich auf seine Wurzeln, und zwar auf die ältesten, die man finden konnte. Heddernheim war schließlich eine römische Gründung. Römische Provinzen hatten zu Zeiten als Rom noch eine Weltmacht war, Statthalter. Das waren römische Bürger, Verwaltungsbeamte und Politiker, die in den Provinzen stellvertretend die Macht Cäsars repräsentierten. Was lag näher, als sich - mit diesem historischen Hintergrund - für die Zeit der Fassenacht einen Statthalter zu wählen, der selbstverständlich dem historischen Vorbild gemäß, in römischer Tunika und Toga gekleidet ist. Wie die römischen Statthalter und wie auch die späteren "Narrenkaiser" regiert ein närrischer Statthalter über einen längeren Zeitraum. Zeichen seiner Macht ist - ebenfalls historisch angelehnt - das Liktorenbündel (siehe Liktorenbündel). Nachdem jetzt alle wissen, wo der Begriff Statthalter seinen Ursprung hat, dürfte einer der häufigsten Fehler, den die Klaa Pariser Narren immer wieder feststellen, nun nicht mehr vorkommen. Häufig wird nämlich - sogar in Presseveröffentlichungen - vom Stadthalter geschrieben, irrtümlich angelehnt an Stadtschreiber, Stadtbüttel und ähnliches. Statthalter ist die Person, die an Stelle des Fürsten, also statt dessen die Macht ausübt. In der Fassenacht vertritt der Statthalter also "Gott Jokus". Na, jetzt alles klar?
Die Statthalter werden von der Zuggemeinschaft Klaa Paris gewählt und ernannt. In dieser Zuggemeinschaft sind alle Heddernheimer Vereine, die sich am "Klaa Pariser Fastnachtszug" und an der Fassenacht beteiligen, vertreten. Die Statthalter üben ihr Amt so lange aus, wie es ihnen und ihrem Narrenvolk gefällt. Die längste Amtszeit regierte Alfons I., bürgerlich Alfons Dresch. 22 Jahre - man sieht, es hat ihm und seinem Narrenvolk Spaß gemacht. Den Statthalter zur Seite steht der Prokurator. Dieses Amt wurde von Statthalter Fritz I., bürgerlich Fritz Halbleib, ersonnen. Als Fritz I. merkte, dass das Amt des Statthalters so viele närrische Pflichten beinhaltete, dass es zu heftiger Arbeit wurde, beschloss er sich für diese Pflichten einen Prokurator zur Seite zu stellen: Hermann Brunner. Der Prokurator von Alfons I. (Dresch) war Michael Robra. Der Prokurator des amtierenden Statthalters, Wolfgang I., ist Reiner Hoffmann, in der Fassenacht weithin als Reiner Hectus bekannt. Die Gründe sollen hier nicht näher erörtert werden.... Richtig ist aber, daß sich ein Statthalter ohne Prokurator, der den Überblick behält und auch einen Großteil der Arbeit tut, seinem närrischen Volk nicht so fröhlich und unbeschwert widmen könnte.
Liktorenbündel: Das Liktorenbündel des närrischen Statthalters ist angelehnt an das historische römische Hoheitszeichen. Vom Ursprung her gehörte es zur Ausrüstung des einfachen römischen Soldaten. Der römische Soldat war auf Feldzügen weitgehend Selbstversorger. Das bedeutete auch, dass er zusätzlich zu seiner Kampfausrüstung Gerätschaften des täglichen Bedarfs mit sich führen musste. Zweckmäßigkeit war hier sehr wichtig. So steckte der römische Soldat seine Streitaxt durch ein Reisigbündel und hielt das Ganze mit einem Lederriemen zusammen. Auf diese Weise hatte er immer Feuerholz bei sich. Die Streitaxt hatte zudem noch einen friedlichen Nutzen: sie diente ihm zu allen "häuslichen" Verrichtungen genauso gut wie im Kampf. Wo immer das römische Heer auftauchte um neue Länder zu erobern, hielt auch das Liktorenbündel Einzug. So entwickelte es sich im Laufe der Zeit zum Symbol für die Macht Roms. In dieser Eigenschaft wurde es dann auch den Machthabern als Herrschaftszeichen vorweg getragen. Nach und nach wurde dieses Liktorenbündel stilisiert und künstlerisch gestaltet. Es blieb aber immer mit einem roten Lederriemen umwunden. Das erste Liktorenbündel, das alle Statthalter während ihrer Amtszeit begleitet hat, entstand in der Bildhauerei Hugo Uhl. Der Bildhauer Peter Meier aus der Nachfolgefirma Bildhauerei Meier-Uhl hat im Jahr 1999 ein neues Liktorenbündel entworfen und geschnitzt, das sich stärker noch als das erste auf das römische Vorbild bezieht, aber auch Symbole und Figuren der Fastnacht darstellt. Mit etwas Phantasie kann man sich leicht vorstellen, dass sich aus diesem frühen Liktorenbündel allmählich durch Veränderungen der Jahrhunderte das Zepter der Könige und Kaiser späterer Zeiten entwickelte.